Wie wir die Beziehungen zur Russischen Föderation aufs Spiel setzen
Spätestens seit Beginn der Ukrainekrise berichten die deutschen Massenmedien im nahezu vollständigen Gleichklang über die neue Gefahr aus dem Osten, genauer gesagt über eine angeblich drohende, militärische Aggression gegen die baltischen Staaten und damit gegen das „Verteidigungsbündnis“ NATO durch die Russische Föderation. Der gleichen Auffassung sind die Regierungsparteien in Berlin, die meisten Regierungschefs der EU, das NATO-Hauptquartier in Brüssel sowie fast die gesamte, politische Führungselite in Washington.
Als „Beweis“ für diese Behauptung und damit auch als immer gleiche Rechtfertigung für die mittlerweile in eine Art von Automatismus verfallenen, regelmäßigen Verlängerungen der Sanktionen gegen Russland, dient die „Annexion der Krim“, die „Einmischung Russlands in der Ostukraine“ und daraus schlussfolgernd, die „militärisch, imperiale Bedrohung der EU durch Russland“. Mit der Folge, dass sich nicht nur die politischen und militärischen sondern auch die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Russischen Föderation innerhalb kürzester Zeit rapide verschlechtert haben.
Gleichzeitig fallen in politischen Reden und in der medialen Berichterstattung immer wieder Vergleiche mit der Zeit des Kalten Krieges, während die Rhetorik mancher Meinungsmacher in Politik und Medien zunehmend an den öffentlichen Sprachgebrauch in Deutschland in den 1930iger Jahren erinnert, als man gleichfalls unisono eine „Bedrohung aus dem Osten“ beschwor, die dann am 22. Juni 1941 in dem „präventiven“ Überfall auf die Sowjetunion, in einen Vernichtungsfeldzug und einen Völkermord an über 26 Millionen Sowjetbürger gipfelte und mit dem Untergang des „Tausendjährigen Reichs“ endete.
Dabei lässt auch ein kurzer Blick in die Geschichte keine traditionellen Aggressionsabsichten Russlands gegenüber dem westlichen Europa erkennen. Eher ganz im Gegenteil. Schon Napoleon wollte mit tatkräftiger Unterstützung europäischer Armeen die Errungenschaften der französischen Revolution gewaltsam bis nach Moskau tragen. Das endete bekanntermaßen mit der blutigen Völkerschlacht bei Leipzig und dem Einmarsch russischer Reiterregimenter in Frankreich.
Rund hundert Jahre später machte sich eine von deutschen Massenmedien aufgeheizte Kriegsbegeisterung in ganz Deutschland breit. Für Gott, Kaiser und Vaterland zog man noch einmal gegen Russland ins Feld und stürzte so das Riesenreich in einen mörderischen Bürgerkrieg mit sich anschließender Stalindiktatur.
Nur unvorstellbar kurze zwanzig Jahre später, ließ sich das von einer gleichgeschalteten, volksverhetzenden Propagandapresse aufgestachelte deutsche Volk mit Begeisterung für Führer, Volk und Vaterland in einen mörderischen Krieg gegen die Sowjetunion treiben. Mit den bekannten Folgen.
Aber immer war es der Westen, der Russland den Krieg erklärt und mit seinen Armeen in das Riesenreich eingefallen ist und nie umgekehrt.
Und vor diesem geschichtlichen Hintergrund erwartet man also heute im Westen von Russland Zurückhaltung und blindes Vertrauen in die reinen „Verteidigungsabsichten“ der NATO, wenn einerseits 72 Jahre nach Kriegsende wieder deutsche Panzer 150 Kilometer vor St. Petersburg stehen und andererseits, zur selben Zeit, die westliche Presse ihren Bevölkerungen wie aus einem Mund suggeriert, alles Böse dieser Welt säße in Moskau.
Gerade in Zeiten einer immer weiteren Zuspitzung der Konfrontation des Westens mit dem größten Land der Erde in so ziemlich allen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bereichen, sollte es eigentlich die vordringlichste und ureigenste Aufgabe einer freien, unabhängigen Presse in der demokratischen Gesellschaft sein, alle Anschuldigungen gegen Russland und seinen Präsidenten, sehr kritisch und ideologiefrei zu hinterfragen und einer äußerst genauen und tiefen Überprüfung zu unterwerfen. Denn nichts wäre schlimmer für beide Seiten, als wenn man sich immer weiter in eine unausweichlich heiße Auseinandersetzung hinein manipulieren würde, die am Ende mit Sicherheit schlimmere Spuren in ganz Europa hinterlassen würde, als der Zweite Weltkrieg. Und das alles womöglich aufgrund völlig haltloser Vorwürfe. Wieder einmal.